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Erste Schritte zur Teich-Sanierung

Referat NaturaGart-Messe 2018, Teil 3

Wenn man die Probleme des Teiches kennt, kann man sie relativ einfach korrigieren. Das war Schwerpunktthema auf der NaturaGart-Messe 2018.

Einleitung: Teichsanierung auf der Messe

Zu den wichtigen Themen der Teiche- und Gartenmesse bei NaturaGart gehört immer wieder die Sanierung von problematisch gewordenen Teichen. Die Stände zeigen viele Beispiele für Umbauten und Neuanlagen. Produkte und Modelle machen deutlich, wie das im Detail funktioniert. NaturaGart-Geschäftsführer Norbert Jorek zeigt in diesem Teil seines Referates, wie die Zustandsbewertung in praktische Maßnahmen umgesetzt wird.

Ursachen: Sediment, Nährstoffe und Zyklen

Ein Blick in Teiche, die längere Zeit nicht sauber gemacht wurden, zeigt eine Art Pulverschnee auf dem Boden. Was dort liegt, sieht aus wie Blütenstaub, ist aber meist abgestorbenes Material, das von Bakterien zersetzt wird. Solange es nur eine kleine, flockige Schicht ist, spielt das keine Rolle. Wird die Schicht dicker und schwarz, geraten die dort abgelagerten Nährstoffe wieder ins Wasser.

Enten, Frösche oder Fische wirbeln das Sediment auf. Auch Fischfütterung bringt laufend Nährstoffe in das System. Teiche mit dieser Struktur werden deshalb immer wieder nachgedüngt, und die Entwicklung bricht nie vollständig zusammen. Der Algenbrei stabilisiert sich auf halber Höhe, und das Gewässer bleibt dauerhaft grün.

Die Zyklen mit Wasserflöhen und kleinen Algen gehen bei allen Teichen nach einiger Zeit, etwa zwei oder drei Jahren, in eine Stabilitätsphase über. Im Laufe der Zeit gelangen weitere Nährstoffe in das System. Der Teich wird immer nährstoffreicher und pendelt sich schließlich auf einem Niveau ein, das sich kaum noch beherrschen lässt. Dann hilft meist nur noch das Leerpumpen und Neustarten.

Vergleich mit der Rasenpflege und Sedimentfallen

Man muss eingreifen, solange der Teich noch auf einem stabilen Niveau ist, und dieses Niveau dauerhaft halten. Das ist vergleichbar mit dem Rasen: Ohne Pflege würden Büsche und Bäume wachsen, deshalb wird regelmäßig gemäht. Ebenso hält man den Teich auf einem jungen Entwicklungszustand. Der Midi-Schwimmteich auf der Messe zeigt, wie das aussehen kann: Man sieht etwa zwölf Meter weit durchs Wasser.

Im Teich befindet sich eine sogenannte Sedimentfalle. Etwas Krümelkram auf dem Boden stört die Sichtweite nicht. Mit mehr Sediment lösen sich jedoch kleine Stücke, weil darin Fadenalgen wachsen, die einen Teppich bilden und durch ihren Sauerstoff Luftblasen erzeugen. Die Stücke treiben an die Oberfläche. Das Problem entsteht unten, deshalb muss dort eingegriffen werden.

Vorbeugung gegen Laub und Blütenstaub

Besser ist es, noch früher vorbeugend einzugreifen. Ein großes Problem ist das Laub, das in die Teiche fällt. Die Masse besteht oft aus kleinen Teilen, nicht unbedingt aus großen Blättern. Deshalb müssen die Netze relativ feinmaschig sein. Netze lassen sich mit Karabinerhaken und Ösen schnell befestigen; das Abdecken eines Teiches dauert etwa zwei Minuten, und diese Zeit lohnt sich.

Auch bei großen Teichen, etwa am Café, werden Stützen eingesetzt und die Teiche abgedeckt, weil die Eichen weit über das Wasser hängen. Einzelne Blätter sind unproblematisch. Problematisch ist die Masse, die von den Bäumen herabfällt.

Ein zweiter Weg sind Skimmer, die feinen Blütenstaub abschöpfen. Ein Zeitraffer zeigt, wie der Wind das Material hin- und hertreibt und die Skimmer es auf diese Weise aufnehmen.

Wenn Vorbeugung nicht ausreicht, und vollständig gelingt sie nie, muss das Sediment kontrolliert werden. Auf dem Boden liegt ein pudding­artiger Schlamm. Er wird zu Sedimentfallen geschoben, an denen über Gitterbleche abgesaugt und anschließend ausgespült wird. Ein Schlammsauger ist ebenfalls möglich. Entscheidend ist vor allem, dass der Boden sauber wird.

Am wirtschaftlichsten ist eine Sedimentfalle, die rund um die Uhr ganz von allein arbeitet. Dabei gelangt der größte Teil des Sediments ohnehin von selbst in die Falle.

Die Sedimentfallen werden über Leitungen mit einem Verteilerschacht verbunden. Bei den Teichen von NaturaGart wird eine Vermörtelungsschicht aufgebracht, die inzwischen auch viele Schwimmteichbauer nutzen. Anschließend wird die Folienpanzerung darübergelegt, sodass nur noch die Sedimentfallen und der Zugang zum Schacht sichtbar bleiben. Von dort führt ein Leitungssystem in den sogenannten Filtergraben, in dem sich der Schmutz absetzt.

Filtergraben als natürliches Filtersystem

Der Schlamm muss sich dort absetzen, denn der Teich braucht ihn. Ein hundertprozentig steriler Teich, ein Operationssaal, entspricht nicht den natürlichen Prinzipien, die einen Teich stabilisieren und sauber halten. Techniken, die die Natur seit Millionen Jahren nutzt, funktionieren anders.

Das Prinzip: Wasser wird aus dem Teich angesaugt, durchströmt den Filtergraben und fließt auf der anderen Seite wieder in den Teich zurück. Der Filtergraben ist mit Unterwasserpflanzen bewachsen, während der Teich selbst klar bleibt. Im Filtergraben wachsen Riesenechtkraut und andere Pflanzen im Transportstrom; die Pflanzen im Nebenstrom bleiben dagegen schwächer.

Im Jahresverlauf zeigt sich ein typisches Muster. Im April wachsen auf den Unterwasserpflanzen des Vorjahres Fadenalgen. Im Juni sind sie deutlich weniger, und im Juli drängen die wachsenden Unterwasserpflanzen die Fadenalgen zur Seite. Der Zuwachs der Unterwasserpflanzen wird gelegentlich geerntet, so dass die Nährstoffe aus dem Blütenstaub und anderen Einträgen aus dem Teich entfernt werden.

Die Ernte entspricht auf rund 100 Quadratmetern in der Biomasse dem Dünger, der in den Teich gelangt ist, sowie dem Fischfutter für die großen Störe im Unterwasserpark.

Einige feine Partikel gehen trotzdem durch den Filtergraben. Dafür gibt es Filtertechnik mit grobem, mittlerem und feinem Schaum; jeder wählt das passende Material. Beispiele dafür sind in der Teichausstellung zu sehen.

Mechanische, biologische und chemische Filterung

Die richtige Filtertechnik hängt davon ab, welche Funktionen tatsächlich erfüllt werden müssen. Die mechanische Filterung ist das A und O: Sie ist die Grundlage, und wenn sie funktioniert, ist fast alles andere geregelt. Mechanisch heißt, dass Partikel aus dem Teich entfernt werden. Am einfachsten gelingt das, wenn man sie im Filtergraben absetzen lässt.

Der Schlamm im Filtergraben ist keineswegs nur Abfall, denn aus ihm entsteht Kohlendioxid. Die Hälfte der Teiche hat ein CO2-Problem. Das erklärt, warum Pflanzen schlecht wachsen und der pH-Wert schwankt.

Dass CO2 wichtig ist, lässt sich am eigenen Körper nachvollziehen: Zu schnelles Atmen, also Hyperventilation, senkt den CO2-Gehalt im Blut, und man wird schwindelig. Den Fischen geht es ähnlich. Zu viel CO2 ist schädlich, doch ganz ohne CO2 ist es für sie ebenfalls die Hölle.

Ein vernünftiges Teichsystem braucht deshalb eine CO2-Quelle. Gärtner düngen Gewächshäuser mit CO2, und Aquarianer nutzen CO2-Düngepatronen. Die meisten Teiche haben ein CO2-Problem, auch weil zu stark mit dem Wasser gewirbelt wird und CO2 entweicht. Der Filtergraben ist die CO2-Quelle des Teiches.

Biologische Filterung ist bei Fischteichen nur sinnvoll, wenn kein Filtergraben vorhanden ist. Mit Filtergraben bietet die Pflanzenoberfläche bereits genug Fläche für Bakterien; eine zusätzliche biologische Filterung ist nicht nötig. Chemische Filterung ist nur in bestimmten Fällen sinnvoll: Phosphat wird durch Eisenverbindungen gebunden. Bei einem 100 Quadratmeter großen Schwimmteich kostet das etwa 10 bis 20 Euro im Jahr, je nach Wasserqualität.

Zu viel Filterung und Sprudelei

Ja. Übermäßige Luftsprudelei ist oft problematisch. Sie wirkt wie das Schütteln einer Sektflasche: Das CO2 entweicht aus dem Wasser. Die Fische japsen dann, und viele Teichbesitzer vermuten ein Sauerstoffproblem, obwohl tatsächlich das CO2 fehlt. Auch extrem saubere Teiche können deshalb problematisch sein, denn es entsteht kein neues CO2.

Völlig pflanzenfreie Teiche sind ebenfalls ein Problem. Beim Stickstoffabbau bleibt das Endprodukt Nitrat im System, wenn keine Grünpflanzen es aufnehmen. Pflanzen greifen zudem schon in früheren Stadien ein, denn sie nehmen Ammonium lieber auf als Nitrat, weil das weniger Energie kostet.

Ein Teich muss nicht klinisch rein gehalten werden. Das ist kein Ziel. Ein solcher Teich würde wie eine sterile Intensivstation funktionieren, aber nicht wie ein natürlicher Teich.

Zusammenfassung und Schlusswort

Zusammengefasst gilt: Teiche muss man aushungern, während man im Garten düngt, wenn man etwas ernten will. Diese Strategie unterscheidet sich grundlegend. Wichtig ist ein richtiger Plan. Eine Lösung entsteht durch Nachdenken, nicht durch den Kauf von Technik. Mit Geld allein erhält man oft nur ein leeres Konto.

Rund 90 Prozent der Probleme entstehen durch das Sediment. Fehler beim Umgang mit dem Teichboden und dem Schlamm sind häufig die Ursache. Ein Pflanzenbestand stabilisiert den Teich. Manche Schwimmteichbesitzer möchten keine Pflanzen im Teich, weil sie das Grünzeug zwischen den Füßen stört. Deshalb wird das Wasser durch einen benachbarten Filtergraben geführt, in dem die Pflanzen wachsen können, ohne zu stören, und dennoch ihre Funktion im natürlichen System erfüllen. Eingeschleppter Dünger wird in den Pflanzen gebunden; deshalb sollte man überlegt filtern, damit das Geld nicht sinnlos verloren geht.

Beispielbilder aus dem Aquarium zeigen, dass das Konzept funktioniert: ein natürlich wirkender Boden, gesunde Fische und eine Sichtweite von derzeit 25 Metern. Das gelingt nicht mit unbegrenzt viel Geld, sondern dadurch, dass man weiß, was man tut. Veranstaltungen wie diese sollen genau dieses Wissen vermitteln.

Videos von NaturaGart TV


NaturaGart TV ist die Videoredaktion von NaturaGart. Hier entstehen praxisnahe Filme rund um Gartenteiche, Schwimmteiche, Wasserpflanzen und naturnahe Gartengestaltung.

Die Videos zeigen, wie Teiche geplant, gebaut und gepflegt werden - basierend auf über 45 Jahren Erfahrung und mehr als 70.000 realisierten Teichen.

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