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Stabilität von Teichen

Referat: Dr. Holger Kraus, Treff 2016, Teil 1

Dieses Video erklärt, warum ein Teich niemals wirklich "stabil" ist - und wie Sie trotzdem langfristig klares Wasser und ein funktionierendes Ökosystem erhalten.

Einleitung: Vortrag zur Teichstabilität auf der Natur- und Gartenmesse

Bei der Natur- und Gartenmesse im NaturaGart-Park geht es nicht nur um Investitionsentscheidungen. Für viele sind auch die Vortragsveranstaltungen wichtig, bei denen Experten über die richtige und arbeitssparende Unterhaltung der Teiche berichten. Das Thema Sicherheit bedeutet immer auch Betriebssicherheit.

Begriff der Stabilität und Veränderung im Teich

Im ersten Teil seines Referates erläutert Dr. Holger Kraus, der zoologische Leiter des Parks, den oft missverständlichen Begriff der Stabilität eines Teiches.

Zunächst geht es darum, dass Stabilität, zumindest so, wie man sie sich wahrscheinlich vorstellt, in einem natürlichen System gar nicht existiert. Alles ist immer in Bewegung. Lässt man Wasser in den Teich, passieren von diesem Moment an Dinge. Das Leitungswasser wird zu Teichwasser. Pflanzen, Regen und Sonne verändern den Teich in jedem Fall, ob man das will oder nicht. Ein Teich ist kein Swimmingpool, sondern ein lebendiges System.

Typischerweise bildet sich zunächst eine kleine Algenblüte. Nach zwei, drei Wochen wird das Wasser dann oft doch grün. Auf dem Boden sammelt sich abgestorbenes Algenmaterial, auf dem Fadenalgen wachsen, und daraus entsteht irgendwann Mulm. Wie viel davon entsteht, hängt davon ab, ob alles richtig gemacht wurde. Wichtig ist: Wer nichts unternimmt, sorgt dafür, dass sich der Teich verändert. Er bleibt nicht in dem Zustand, in dem er am ersten Tag war.

Stoffeintrag und Verlandung stehender Gewässer

Jedes stehende Gewässer wirkt wie eine Falle für Stoffe und Nährstoffe aus seiner Umgebung. Natürliche Gewässer liegen meist am tiefsten Punkt der Landschaft. Mit dem Wasser fließt auch Laub dorthin, das vom Wind verweht und an der tiefsten Stelle liegen bleibt. Auf der Straße würde ein trockenes Blatt weitergeweht, im Teich bleibt es an der nassen Oberfläche haften und sinkt irgendwann ab. So sammelt jedes stehende Gewässer Nährstoffe aus der Umgebung und hat die Tendenz zu verlanden.

Dr. Kraus bringt seinen Kunden seit Jahren bei, dass sich in Mitteleuropa langfristig jedes natürliche stehende Gewässer zu einem Buchenwald entwickelt. Man kann sich eine Mulde vorstellen, in die Regen und Erde vom Hang gespült werden. Laub und Pollen fallen hinein, Fadenalgen und Pflanzen wachsen, das Wasser wird immer weniger und die Vegetation immer mehr. Irgendwann setzen Weiden und Erlen Fuß, die dem Gewässer viel Wasser entziehen. Es wird immer mehr Land und immer weniger Wasser, bis über verschiedene Stadien ein Buchenwald entsteht.

Wer sich merkt, dass der eigene Gartenteich eigentlich lieber ein Buchenwald wäre, weiß, dass der Teich andere Pläne hat als der Besitzer. Lässt man ihn sich selbst überlassen, wird er irgendwann trocken sein, voller Pflanzen, mit immer weniger Wasser.

Entwicklungsphasen eines Teiches und ihre Stabilität

Ein Teich, egal ob natürliches Gewässer oder Gartenteich, durchläuft verschiedene Phasen. Anhand einer grünen Sägezahnkurve lässt sich zeigen, wie stabil diese einzelnen Phasen sind. Direkt nach dem Befüllen funktioniert im neuen Teich noch nichts; er ist ein Loch voller Leitungswasser. Veränderungen von außen, etwa Sonne oder zu viele Nährstoffe, werden nicht von einem belebten System abgepuffert, sondern führen zu starken Ausschlägen. Ist der Nährstoffvorrat verbraucht, fällt der Wert wieder tief, und es entstehen ständige Veränderungen, weil der Teich noch instabil ist.

Diese Anfangsphase nennt man Einfahrphase. Der Teich muss biologisch aktiv werden und die Biologie muss reifen.

Die schönste und erstrebenswerte Phase ist die stabile Phase in der Mitte der Kurve. Hier gibt es eine Vielfalt an Pflanzen, und der Teich funktioniert. Es gibt kaum noch Ausschläge, weil alles, was in den Teich gelangt, von den Pflanzen aufgenommen und verarbeitet wird. Kleine Krebse zersetzen organisches Material, und die ersten Mücken- oder Insektenlarven sind vorhanden. Alles wird biologisch verarbeitet.

Danach beginnt die Verlandungsphase. Es kommt immer mehr Material von außen hinein, der Teich wird instabiler und es sammelt sich zunehmend Schlamm. Dieser kann unten zu gären beginnen und nach Schwefelwasserstoff riechen. Rührt etwa eine Ente darin, werden die Nährstoffe wieder frei, und die Pflanzen haben plötzlich wieder viel davon. Die Belastung steigt, Wasser wird zunehmend verdrängt und Schmutz sammelt sich an, bis es zu einer rapiden Phase kommt.

Verlandungsphase und Mulmbildung

Ziel ist es, in der stabilen Phase zu bleiben. In der Einfahrphase sind die Wasserwerte völlig instabil. Der pH-Wert verhält sich unberechenbar, und auch die Gasgehalte haben sich noch nicht eingestellt. Es kann viele Nährstoffe geben, aber noch niemanden, der sie verbraucht. Dann kann schon ein kleiner Auslöser, etwa drei warme Sonnentage, dafür sorgen, dass der Teich plötzlich grün wird. Das ist kein Drama, sondern gehört zu dieser Phase.

In der stabileren Phase sind übliche Veränderungen zu erwarten. Wer regelmäßig Wasserchemie betreibt und die Werte im Blick behält, kann davon ausgehen, dass sie sich unter bestimmten Bedingungen immer wieder ähnlich einstellen. Mit der Wasserqualität wird man dann zufrieden sein, und im nächsten Jahr wird es in der Regel genauso sein, wenn alles richtig gemacht wurde. Kleine Maßnahmen wie das Entfernen einzelner Fadenalgen helfen, den Teich sehr lange in dieser Phase zu halten.

Jahreszeitliche Veränderungen der Wasserwerte

Kommt die Verlandungsphase, wird der Teich wieder instabil und es sammelt sich Mulm. Solange dieser Mulm am Boden liegt, ist er unproblematisch. Problematisch wird er, wenn er beim Baden aufgewirbelt wird. Deshalb muss der Mulm entfernt werden, bevor er aufgewirbelt wird. Wächst er weiter, gerät der Teich in eine Verlandungsphase, aus der man zurück in die stabile Phase finden sollte.

Von der Baufertigstellung bis zum Ende der Nutzung verändert sich der Teich in diese Richtung. Das passiert einfach, aber man kann eingreifen. Zusätzlich gibt es einen Jahresverlauf.

Stabilität ist daher schwer zu bestimmen, weil sich die Werte mit den Jahreszeiten ändern. Ein Teich, der eine Woche als normal beurteilt wird, kann eine Woche später grün sein. Im Winter passiert fast nichts, im Frühling erwacht das Leben, im Sommer ist es besonders warm und im Herbst zieht sich das Leben wieder zurück. Da im Winter kaum Lebewesen Nährstoffe verbrauchen, werden dann besonders hohe Nährstoffwerte gemessen, obwohl kaum Tiere und Pflanzen zu finden sind.

Im Frühling vermehren sich die Algen, weil Temperatur und Licht vorhanden sind und im Winter nicht verbrauchte Nährstoffe frei im Wasser liegen. In jedem natürlichen stehenden Gewässer gibt es so eine Phase, in der das Phytoplankton, also die Wasserblüte bzw. das grüne Wasser, plötzlich zunimmt. In einem gut funktionierenden Gewässer fällt das kaum auf, in einem schlecht funktionierenden dagegen deutlich.

Fehlerhafte Messungen und Erwartungen an Stabilität

Stabilität ist daher nur eingeschränkt gegeben. Wer seine Nährstoffe nur einmal im Jahr, etwa mitten im Sommer, misst, erhält ein verzerrtes Bild. Derselbe Teich liefert im Winter völlig andere Werte, und das ist normal. Stabil ist der Teich nur in der stabilen Phase, und genau dorthin sollte man ihn bringen.

Ausblick auf Maßnahmen zur Stabilisierung

Wie man dafür sorgt, dass der Teich in diese Phase kommt und dort bleibt, erläutert Dr. Kraus im Anschluss an zwei Beispielen.

Stabilität von Teichen verstehen und langfristig sichern

Ein Gartenteich ist ein dynamisches, natürliches System. Er verändert sich ständig - durch Jahreszeiten, Umwelteinflüsse und biologische Prozesse. Wer einen stabilen Teich haben möchte, muss verstehen, wie diese Veränderungen ablaufen und wie man gezielt darauf reagiert.

Ein neu angelegter Teich durchläuft zunächst eine sogenannte Einfahrphase. In dieser Zeit ist das System noch nicht stabil. Wasserwerte schwanken stark, Algenblüten sind möglich und die biologische Balance muss sich erst entwickeln.

Die stabile Phase gezielt erhalten

Nach der Einfahrphase erreicht der Teich eine stabile Phase. In diesem Zustand bauen Pflanzen und Mikroorganismen Nährstoffe ab und sorgen für klares Wasser. Ziel jeder Teichpflege ist es, diesen Zustand möglichst lange zu erhalten.

Ein entscheidender Faktor dabei ist die Vermeidung von Nährstoffüberschüssen. Laub, Blütenstaub und organische Partikel gelangen ständig ins Wasser und bilden Sediment. Mit Maßnahmen wie Laubschutznetzen lässt sich dieser Eintrag deutlich reduzieren.

Warum Teiche langfristig verlanden

Jeder Teich sammelt im Laufe der Zeit Nährstoffe an. Dadurch entsteht Mulm, der die Wasserqualität verschlechtert und die Stabilität des Systems gefährdet. Ohne Pflege beginnt langfristig die Verlandung.

Darum ist es wichtig, Sediment regelmäßig zu entfernen und den Teich so zu planen, dass Nährstoffe gar nicht erst in großen Mengen eingetragen werden.

Jahreszeitliche Schwankungen richtig einordnen

Auch die Jahreszeiten beeinflussen die Stabilität. Im Winter sammeln sich Nährstoffe im Wasser, da Pflanzen und Mikroorganismen kaum aktiv sind. Im Frühjahr kann es deshalb zu einer Algenblüte kommen - ein völlig natürlicher Vorgang.

Im Sommer stabilisiert sich das System wieder. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann Veränderungen richtig bewerten und unnötige Maßnahmen vermeiden.

Die Stabilität eines Teiches ist also kein fixer Zustand, sondern ein Gleichgewicht, das aktiv erhalten werden muss. Mit der richtigen Planung und Pflege bleibt der Teich langfristig klar, stabil und pflegeleicht.

FAQ zur Stabilität von Teichen

Warum ist ein Teich nie dauerhaft stabil?

Ein Teich ist ein natürliches System, das ständig durch Umweltfaktoren beeinflusst wird. Nährstoffe gelangen ins Wasser, Pflanzen wachsen und biologische Prozesse verändern das Gleichgewicht kontinuierlich.


Was ist die Einfahrphase eines Teiches?

Die Einfahrphase ist die Anfangszeit nach dem Bau. In dieser Phase ist der Teich biologisch noch nicht stabil, weshalb Wasserwerte schwanken und Algenblüten auftreten können.


Warum verlandet ein Teich mit der Zeit?

Durch Laub, Blütenstaub und organisches Material sammeln sich Nährstoffe im Teich. Diese bilden Sediment, das langfristig zur Verlandung führt.


Sind grüne Wasserphasen im Frühjahr normal?

Ja, im Frühjahr sind kurzfristige Algenblüten normal. Sie entstehen durch hohe Nährstoffwerte nach dem Winter und verschwinden meist von selbst.


Videos von NaturaGart TV


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