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Vivaristik Tage

Einführung: Vivarien und Erfahrungsaustausch

Vivarium – ein uralter Begriff für Behälter mit lebenden Tieren, früher auch für Parks oder Gebäude gebraucht. Heute geht es dabei fast immer um Fische, Amphibien, Reptilien oder Insekten.

Spezialisten dieser Fachbereiche trafen sich am 20. und 21. Mai 2023 in der Palmenhalle von NaturaGart zu einem Erfahrungsaustausch. Das Thema ist unverändert aktuell, denn für viele Menschen ist ein Aquarium oder Terrarium der einzige Naturkontakt, der ihnen noch verbleibt.

Bedeutung der Aquaristik und Terraristik für Naturkontakt

Kurt Hildebrandt ist einer der Veranstalter. Die Erwartung ist einfach: Die Menschen sollen sehen, dass es Vereine und Spezialorganisationen gibt. Wer mit dem Hobby anfängt oder sich dafür interessiert, ist nicht allein gelassen, kann sich an alle Gruppen wenden und bekommt entsprechende Hilfe.

Aquarienfische, Brutpflege und Haltung kleiner Becken

Das Thema ist fast unüberschaubar vielfältig. Am bekanntesten sind noch die Aquarienfische. Die beliebten Buntbarsche zeigen auch im heimischen Wohnzimmer zum Teil spektakuläre Verhaltensweisen, vor allem ihr Sozialverhalten.

Die Fische betreiben eine ganz tolle Brutpflege und kümmern sich um ihre Jungen. Es gibt unterschiedliche Brutpflegeformen, zum Beispiel Maulbrüter, Höhlenbrüter und Offenbrüter. Das lässt sich wunderbar beobachten, und zwar in relativ kleinen Becken. Man braucht also nicht 2,50 Meter, um so etwas zu beobachten; es geht schon ab 60 Zentimetern Beckenlänge.

Manchmal kommen auch ganze Artengruppen neu hinzu. In Asien gelten Garnelenzuchtformen als die Kois der kleinen Leute. Die Wohnungsverhältnisse sind dort häufig sehr beengt, sodass Menschen, die keinen Koiteich unterhalten können, in sehr kleinen Aquarien mit Garnelen arbeiten. Dabei gibt es ganz tolle Farbformen: rot-weiße, schwarz-weiße, blaue, knallrote, gelbe und orange. Da sind kaum Grenzen gesetzt.

Pflanzen und Nährstoffe im Aquarium

Je naturnäher Aquarien gestaltet werden, desto pflegeleichter und sicherer ist die Pflege der Wassertiere. Dabei spielen Pflanzen eine wichtige Rolle, und zwar für die Qualität des Wassers. Das sollte man immer im Hinterkopf haben, wenn man sich mit Pflanzen befasst.

Damit Pflanzen gut wachsen, brauchen sie Nährstoffe, die man ihnen zur Verfügung stellen muss. Üblicherweise geschieht das über die Fische: Über ihre Ausscheidungen und den Umsatz des Futters entstehen Nährstoffe, von denen die Pflanzen wachsen können.

Killifische und Arterhaltung

Die Herausforderung dieser Zeit sind die extremen Spezialisten unter den Wassertieren, zum Beispiel die Killifische. Sie leben in Wüstengewässern, die zeitweise austrocknen. In Südafrika gibt es Arten, bei denen es manchmal mehrere Jahre nicht regnet; wenn dann Regen fällt, schlüpfen die Fische oder ein Großteil von ihnen innerhalb weniger Stunden.

Wir betreiben also aktive Arterhaltung. Es gibt auch Arten aus anderen Fischgruppen, bei denen der Bestand mittlerweile nur noch unter Hobbyfreunden, Züchtern und in manchen Zoos und Tierparks gesichert wird.

Haltungsverbote und Zebraharnischwels

Es gibt viele Wassertiere, die auf Messers Schneide leben. Manche Tiere, die in der Natur vom Aussterben bedroht sind, werden durch Importverbote geschützt. Manchmal werden aber auch komplette Haltungsverbote erlassen, und das macht die Sache schwierig, wenn die Tiere in der Natur gar nicht mehr existieren.

Das neueste Beispiel ist der Zebraharnischwels. Er wäre eventuell mit einem absoluten Haltungsverbot belegt worden, wenn nicht Verbände wie der BNA und der VDA dagegen vorgegangen wären. Sie wiesen darauf hin, dass diese Fische in der Natur nicht mehr vorkommen, weil der Lebensraum zerstört ist – ein Staudamm wurde gebaut.

In Asien werden die Tiere für den Aquarienbedarf nachgezüchtet. Dadurch besteht ein wirtschaftliches Interesse, diese Tiere zu vermehren. Käme ein Haltungsverbot, dürfte aber niemand die Tiere mehr halten. Die Züchter würden aufhören, sie zu produzieren, und die Art würde aussterben, weil niemand mehr Interesse an ihrer Zucht hätte.

Rolle von Zoos und Privathaltern beim Artenschutz

Es blieben dann nur noch zoologische Gärten übrig, die das eventuell leisten könnten. Diese haben jedoch nur begrenzte Kapazitäten und können nicht jede Tierart der Welt retten. Ein Praktiker aus dem Zoo Münster bestätigt das.

Zoos können nicht alle gefährdeten Tierarten auffangen, um sie zu zeigen und zu halten, auch weil ihre Ziele teilweise anders ausgelegt sind. Hier kommen die Privathalter ins Boot, denn Hobbyhalter haben oft mehr Möglichkeiten als diverse Zoos. Wer als Privathalter gefährdete Arten erhalten möchte, kann sich an Citizen Conservation wenden.

Citizen Conservation tritt dann mit Interessierten in Kontakt und führt ein persönliches Gespräch. Dabei zeigt sich meist, dass es sich im besten Fall um langjährige Reptilien- oder Amphibienhalter handelt, die bereits einen gewissen Erfahrungsschatz bei Haltungen haben.

Es gibt leicht zu haltende Tiere, die auch ein Einsteiger übernehmen kann. Es gibt aber auch anspruchsvolle Tiere, die an erfahrenere Halter abgegeben werden, um diese Art zu erhalten.

Edelkrebsprojekt und Wiedereinbürgerung

Ein gutes Beispiel für solche Wiedereinbürgerungen ist das Edelkrebsprojekt. Der Krebs ist schon ganz schön groß: Von der Nasenspitze bis zum Schwanzende misst er knapp 20 Zentimeter. Die Tiere werden nachgezüchtet, und im Herbst besetzen wir die vorher ausgewählten Teiche.

Die Gewässer werden genau beurteilt. Sie müssen mehrere Punkte erfüllen: Die Gewässerqualität muss stimmen, und es braucht viel Struktur mit vielen Versteckmöglichkeiten, denn Edelkrebse sind nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich unter Steinen und Wurzeln.

Je nach Gewässergröße besetzen wir mehrere hundert Krebse, etwa ab 200. Diese sind dann zwei Jahre alt; man nennt sie zweisömmrig, und damit beginnt der Initialbesatz. Bei großen Gewässern muss manchmal nachbesetzt werden. Im Normalfall stellt sich nach ein paar Jahren eine stabile Population ein.

Dafür sind wir stark auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Wir führen Schulungen durch, in denen Ehrenamtliche ausgebildet werden, damit sie die verschiedenen Arten unterscheiden und so viele Informationen wie möglich weitergeben können.

Vorträge und Einleitungsreferat

An beiden Tagen gab es ein Vortragsprogramm. NaturaGart-Geschäftsführer Norbert Jorek schilderte in seinem Einleitungsreferat, wie sich auch scheinbar unvereinbare Positionen zusammenführen lassen. Letztlich ist das gesamte Unternehmen NaturaGart auf diese Weise entstanden.

Es ist gewollt, dass Tiere, die es nur noch in menschlicher Obhut gibt, auch weiterhin gehalten werden können. Wenn man Haltungs- und Vermehrungsverbote erteilt, obwohl es im Freiland gar keine Tiere mehr gibt, ist das völlig kontraproduktiv. Vieles ist also zu regeln, und das gelingt nur, indem man miteinander redet.

Dass das einen Sinn hat und viel dabei herauskommen kann, habe ich euch in dieser Veranstaltung heute gezeigt.

Videos von NaturaGart TV


NaturaGart TV ist die Videoredaktion von NaturaGart. Hier entstehen praxisnahe Filme rund um Gartenteiche, Schwimmteiche, Wasserpflanzen und naturnahe Gartengestaltung.

Die Videos zeigen, wie Teiche geplant, gebaut und gepflegt werden - basierend auf über 45 Jahren Erfahrung und mehr als 70.000 realisierten Teichen.

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