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Eichen-Prozessionsspinner

Biologie, Probleme, Ursachen, Bekämpfung

Der Eichen-Prozessionsspinner breitet sich immer weiter aus. Die Nester seiner Raupen überziehen die betroffenen Bäume mit weißen Fäden.

Lebensweise und Wanderung der Raupen

Eigentlich ein Thema für das Sommerloch. Aber sie wandern nun mal etwas früher, schon im Mai und Juni. Sie leben an Eichen, fressen die manchmal kahl und bilden einen spektakulären Wanderverein, einer hinter dem anderen. Eigentlich ein Wunder der Natur.

Nächtliche Prozession und offene Fragen

Abends verlassen sie ihr Nest, verteilen sich über die Zweige der Eiche, fressen an den Blättern und kehren am Morgen in einer wohlgeordneten Prozession wieder zurück. Viele spannende Fragen: Wie finden sie zurück ins Nest? Wer gibt den Befehl zum Rückzug? Und welche Raupe übernimmt die Leitung der Prozession?

Brennhaare und Gespinste

Diese Fragen treten in den Hintergrund, denn die Raupen haben noch eine andere bemerkenswerte Eigenschaft. Sie sehen nicht nur so unfreundlich aus wie Stacheldraht, sie sind es auch. Ihre Haare sind aggressiver als Brennnesseln. Der Kontakt kann beeindruckende Nebenwirkungen haben.

Es geht dabei nicht nur um die Haare der Raupen, sondern auch um die Nester. Den wachsenden Raupen wird mehrfach die Haut zu eng, und sie streifen sie ab. Die Nester sind dann voll mit leeren Hüllen und den Haaren daran. Ab der dritten Häutung werden diese Haare aggressiv. Das ist meist Ende Mai bis Mitte Juni.

Vor vielen Eichen wird dann im öffentlichen Bereich gewarnt. Im Park wickeln wir leicht erreichbare Nester als schnelle Lösung erst einmal mit Stretchfolie ein. Bei höher liegenden Nestern hilft Haarlack. Der klebt Haare und Raupen zusammen.

Bekämpfung in Park und Wald

Das ist aber keine Lösung des Problems, denn die Gespinste behalten ihre aggressiven Eigenschaften noch über etliche Jahre. Wir lassen die Nester daher von Profis entfernen. Dafür braucht man Ganzkörperschutz und reichlich Erfahrung. Im NaturaGart-Park kann man das machen, doch in den Wäldern hat man keine Chance.

Und da tickt eine Zeitbombe. Das ist ein altes Nest aus dem letzten Jahr, und ein Vielfaches davon kommt in diesem Jahr hinzu. Das Problem ist jetzt schon außer Kontrolle. Keine Chance für die natürlichen Feinde, damit noch fertig zu werden.

Ursachen: Rückgang der Fluginsekten

Es ist ein Problem, das wir uns selbst gemacht haben. Die Agrarindustrie hat den weitaus größten Teil der Fluginsekten umgebracht.

Natürliche Feinde: Schlupfwespen

Zu der natürlichen Vielfalt gehört auch diese Schlupfwespe. Sie legt ihre Eier in die Raupen. Dort entwickeln sich die Larven, und sie bringen die Raupen dabei um. Die Schlupfwespe versucht sogar, unter die Stretchfolie zu kriechen, um die Prozessionsspinnerraupen dort zu erwischen. Und sie versenken sich tief in Baumspalten, um die Eier ins Ziel zu bringen.

Folgen für Vögel und Fledermäuse

20 bis 30 Prozent des Raupenbestandes werden normalerweise durch solche Schlupfwespen vernichtet. Was übrig blieb, war Futter für die Vögel und Fledermäuse.

Viele Insekten sorgten damals für viel Nachwuchs, doch heute kriegen nur noch wenige Schwalben mit Mühe ihre Jungen satt. Anderen Vögeln ergeht es ähnlich, auch denen fehlen die Insekten. Auch die Fledermäuse müssen wir gelegentlich aufpäppeln. Sie verhungern oft, weil es nicht mehr genug Insekten gibt.

Fazit: Verlust der Artenvielfalt

Wir haben die Vielfalt der Natur ruiniert. Wir haben unsere natürlichen Verbündeten umgebracht und damit den Prozessionsspinnern den Weg freigemacht. Und wir kriegen jetzt die Quittung dafür.

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