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Aquarien und Artenschutz

Einleitung: Aquarianer und Artenschutz

Welche Auswirkungen haben 1,5 Millionen Aquarianer auf den Artenschutz? Auf der Vivaristiktagung 2023 in der Palmenhalle des NaturaGart-Parks sprachen wir mit Maike Wilstermann-Hildebrand. Sie skizziert die aktuelle Lage und zeigt Lösungen auf.

Vorstellung der Gesprächspartnerin Maike Wilstermann-Hildebrand

Spezialvereinigungen und seltene Zierfische im Handel

Es ist natürlich schön, wenn es Menschen gibt, die sich für diese Tierarten interessieren. Häufig sind es aber Fische oder auch Amphibien, die nicht besonders spektakulär sind und die nicht unbedingt jeder haben will. Dafür gibt es Spezialvereinigungen, etwa Citizen Conservation, die DGHT oder hier die Deutsche Zichlidengesellschaft. Es gibt Liebhaber für bestimmte Fische, die im Handel praktisch keine Rolle spielen. Kommen diese Arten auf eine Liste, dass sie nicht mehr gehandelt oder gehalten werden dürfen, ist das für sie im Zweifelsfall fatal.

Bedrohte Süßwasserfische und Auswirkungen von Handelsverboten

Im aquaristischen Bereich betrifft Artenschutz relativ wenige Tiere. Im Süßwasser ist, glaube ich, außer dem Zebraharnischwels kein Fisch vom Aussterben bedroht, und ein weiterer steht meines Wissens nicht auf der Liste. Störe oder Seepferdchen sind dagegen wesentlich relevanter und von den Schutzbestimmungen betroffen, im Süßwasser eher weniger.

Würden Handelsverbote erlassen, würde das die große Masse der Aquarianer wahrscheinlich überhaupt nicht treffen. Es würde eher die Menschen treffen, die davon leben, einige Tiere in der Natur zu fangen und zu sammeln. Wenn man grundsätzlich verbieten wollte, Zierfische zu importieren, hätten Menschen etwa in Kolumbien oder Venezuela, wo diese Tiere gefangen werden, keine Einnahmequelle mehr.

Folgen für Sammler in Herkunftsländern und Verbindung zu Schutzprojekten

Dann stellt sich die Frage, was sie stattdessen tun. Wenn sie die Fische nicht mehr fangen dürfen, die in der Trockenzeit in Restwassertümpeln sitzen und dort ohnehin sterben, wenn das Wasser verdunstet, müssen die Menschen etwas anderes tun. Werden sie Tropenholz fällen, Wald roden und Sojabohnen anbauen oder Rinder halten? Es gibt Verknüpfungen zwischen Handel, Import und Export von Zierfischen mit Naturschutzorganisationen und mit Projekten, die soziale Belange in den jeweiligen Gebieten fördern. So lässt sich erreichen, dass Naturschutz, Artenschutz und der Schutz der Menschen Hand in Hand funktionieren. Einfacher und besser kann man das nicht machen.

Engagement der Halter und Forderung nach Unterstützung

Es gibt Menschen, die sich für diese Tiere begeistern und viel eigene Energie und finanzielle Mittel in Projekte stecken. Mit großem Aufwand erhalten sie wirtschaftlich uninteressante Arten am Leben, winzige Fische, die man nicht essen kann und die keine Medikamente liefern. Diese Menschen möchten ihre Tiere erhalten und ihre Begeisterung weitergeben. Deshalb wäre es gut, wenn die Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit auf solche Projekte richten und sie stärker unterstützen würde. Auch die Schwarz-Weiß-Malerei mancher Tierrechtsorganisationen sollte hinterfragt werden. Der Kontakt zu Aquarienvereinen und Arbeitsgruppen hilft, herauszufinden, was Hobbyisten tatsächlich tun.

Sichtbarkeit der Hobbyhalter auf Veranstaltungen und in sozialen Medien

Die Halter wollen als Menschen und Tierhalter wahrgenommen werden, so wie sie sind. Als Hobbyisten sind sie in ihren Häusern, weil ihre Tiere nicht an der Leine spazieren gehen oder über Wiesen galoppieren. Man sieht sie deshalb kaum. Auf Veranstaltungen machen sie sich sichtbar: Ausstellungen, Börsen und Messen. Dort sind überall Vereine und Ansprechpartner. Man kann schreiben, die Internetseite besuchen oder in den sozialen Medien folgen und so immer in Kontakt bleiben. Wichtig ist, dass sich auch Menschen ohne eigene Aquarien mit diesen Themen beschäftigen, um bei Diskussionen über Politisches, Verbote und ähnliche Fragen unterstützen zu können.

Anzahl der Aquarianer in Deutschland und Bedeutung von Vereinen

Es gibt alle paar Jahre eine Umfrage, nach deren Schätzung es in Deutschland etwa 1,5 Millionen Aquarianer gibt. Das ist eine relativ große Menge. Das Problem: Die meisten sind nicht Mitglied in einem Verein oder Verband und haben nur begrenzt die Möglichkeit, sich über aktuelle gesetzliche Bestimmungen und rechtliche Fragen zu informieren. Diese Informationen findet man nicht ohne Weiteres im Internet, und niemand schickt eine E-Mail, dass ein Tier auf der Roten Liste gelandet ist und gemeldet werden muss. Wer sie erhalten will, muss selbst suchen. Mitglieder bekommen diese Informationen dagegen von ihrem Verein oder Dachverband mitgeteilt und sind dadurch deutlich besser informiert.

Information über Rechtslage und Meldepflichten

Auch ohne Vereinsmitgliedschaft lohnt es sich, einige Seiten zu abonnieren und zu verfolgen, was sich tut. Es geht um die eigene Frage: Was darf ich eigentlich? Habe ich eine bedrohte Art, muss ich sie eventuell melden? Spätestens wenn Tiere oder Nachzuchten abgegeben werden, ist das relevant.

Welche Auswirkungen haben 1,5 Mio. Aquarianer auf den Artenschutz? Auf der Vivaristik-Tagung in der Palmenhalle des NaturaGart-Parks sprachen wir mit Maike Wilstermann-Hildebrand. Sie organisiert mit Ihrem Mann Cord diese Tagung. In einem Interview skizziert sie die aktuelle Lage und zeigt Lösungen auf.

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