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Täglich Urlaub! Marketing-Konzepte für mehr Lebensqualität

Referat über das Öko-Marketing von NaturaGart

Norbert Jorek referiert beim Unternehmerfrühstück der IHK Nord-Westfalen über umweltfreundliches Marketing.

Einleitung und Anlass des Vortrags

Die Industrie- und Handelskammer Nordwestfalen veranstaltet regelmäßig einen Erfahrungsaustausch der Unternehmer im Kreis Steinfurt. Die 28. Veranstaltung dieser Art fand nach zehn Jahren erneut bei NaturaGart statt.

Für Norbert Jorek, Geschäftsführer von NaturaGart, hat die aktuelle Klimadebatte Auswirkungen auf die Produkte und Vertriebskonzepte aller Unternehmen. Er nahm die Veranstaltung daher zum Anlass, die Entwicklung am Beispiel von NaturaGart zu erläutern. Aktueller Einstieg in das Thema waren die katastrophalen Überflutungen und Waldbrände des Jahres 2021.

Aktueller Bezug: Überflutungen, Waldbrände und Klimadebatte

Die Entwicklung wird heute oft als sehr plötzlich kommend dargestellt, so als schlage die Natur zurück. Jorek möchte stattdessen mehr Entwicklung und Marktkenntnis aufzeigen.

NaturaGart ist seit 43 Jahren in diesem Markt positioniert. Jorek, der als Biologe vor 50 Jahren in Münster studierte, weist darauf hin, dass die heutigen Probleme schon damals Vorlesungsstoff waren. Die Natur schlägt also nicht zurück, sondern es wird geliefert, was in den letzten 50 Jahren bestellt wurde. Dies sei bisher nur eine Teillieferung.

Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre

Der Club of Rome hatte bereits damals vorhergesagt, dass Umwelt im Laufe der nächsten Jahrzehnte zum Problem wird. Die Prognose hat sich bewahrheitet. Die 68er-Bewegung prägte diese aufmüpfige Zeit; Jorek war damals 18 und beteiligte sich daran. Dieses Rückgrat, das er sich damals zulegte, habe ihm als Unternehmer strategisch sehr genutzt.

Rahmenbedingungen des Naturschutzes in den 1970er Jahren

Naturschutz war damals ein Vakuum, aus Marketingsicht der ideale Zustand. Im gesamten Regierungsbezirk Münster gab es einen Bezirksbeauftragten für Naturschutz, der über 90 Jahre alt war und mit seinem alten Opel von Naturschutzgebiet zu Naturschutzgebiet fuhr. Beim Regierungspräsidenten gab es eine halbe Stelle, auf Landesebene lediglich zwei Nistkastenaufhänger in Essen.

Jorek mobilisierte 50 Ornithologen, die Daten sammelten. Er sagt: „Wissen ist Macht“, und verhandelte damit. Der damalige Landwirtschaftsminister Denecke stellte ihm eine Lizenz aus: Als Student sollte er bei allen Flurbereinigungsverfahren als Träger öffentlicher Belange beteiligt werden. Damit hatte er eine starke Position, stoppte mehrere Verfahren und zwang die Beteiligten zu Gesprächen.

Das Ergebnis waren ungefähr 50 Quadratkilometer Naturschutzgebiete. Die Umsetzung dauerte noch 10 bis 20 Jahre, die Entscheidungen fielen jedoch damals. Dass der Kreis Steinfurt heute bei der Fläche der Naturschutzgebiete doppelt so gut dasteht wie der zweitplatzierte Kreis Großfeld, führt Jorek auf diese damals gebildete Taskforce zurück. Die Wirkung habe sich bis Frankfurt herumgesprochen.

Naturschutz durch Wirtschaftsunternehmen

Marketingfachleute fragten damals: Wenn Staat und Vereine Naturschutz betreiben, was wäre, wenn die Wirtschaft Naturschutz macht? Sie beauftragten Jorek, das Projekt Vogelland zu entwickeln, eine Wasserlandschaft mit einem See und der Option, Menschen einzubinden. Vorbilder gab es in Großbritannien.

Die Kampagne sprach Unternehmen an: Die Lufthansa stellte 200.000 Mark bereit, nachdem man sie auf den Kranich auf ihren Flugzeugen hingewiesen hatte. Es entstand ein Naturschutzbuch, das eine Auflage von 500.000 Exemplaren erreichte, die bis heute kein Naturbuch wieder erreicht hat. Auch die Hörzu, mit damals 4,5 Millionen Heften pro Woche, engagierte sich über den Springer Verlag mit Sammelbildern und einer Einklebebroschüre. Weitere Partner wie Licher Bier mit dem Eisvogel kamen hinzu, ein Motiv, das sich bis heute gehalten hat.

Die Kampagne war sehr effektiv und Jorek lernte dabei viel über Marketing, was ihm im Biologiestudium nicht vermittelt worden war. Er erkannte jedoch, dass ein Projektentwickler mit fortschreitendem Projekt zunehmend überflüssig wird und sich ein aufgebauter Apparat schwer finanzieren lässt. Deshalb entschied er: Man braucht eigene Projekte, also werden sie selbst umgesetzt.

Kleingewässerkampagne

Das erste eigene Projekt war eine Kleingewässerkampagne. Auf Messtischblättern mit 10 mal 10 Kilometern Kantenlänge zeigte sich der Rückgang der Kleingewässer seit 1957: Bis 1975 war ein großer Teil verschwunden, und 1981 war kaum noch etwas übrig. Dies galt nicht nur im Kreis Soest, sondern praktisch überall. In den folgenden 30 bis 40 Jahren hat NaturaGart gemeinsam mit seinen Kunden 60.000 Kleingewässer in Deutschland, Österreich und der Schweiz angelegt. NaturaGart liefert Know-how und Baumaterial, Löcher gräbt der Kunde selbst.

Ein Molch schafft mit seinen kurzen Beinen im gesamten Leben vielleicht 2 km. Wenn er in einer ausgeräumten Landschaft von einem Teich zum anderen will, strandet er schnell in einem Maisacker, wenn der geplante Teich nicht auftaucht. Ein dichtes Netz kleiner Gewässer ist daher entscheidend.

Wasserlandschaft und Naturerlebnis am Standort

Parallel dazu kaufte NaturaGart eine Fläche, die bei Projektbeginn noch Maisacker war, und baute daraus eine Wasserlandschaft, die sich durch den Wald zieht. Dort übernachten 150 Gänse, 80 Kormorane sitzen in den Bäumen, und es überwintern seltene Silberreiher. Eine Seekanzel ermöglicht Naturbeobachtung aus nächster Nähe.

Das Konzept von Vogelland lebt weiter: Menschen sollen mit der Natur in Kontakt kommen, auf kurzer Distanz, besonders für Kinder. Der Eisvogel sitzt etwa 20 cm vor der Scheibe, und Besucher filmen ihn mit dem Smartphone. Solche Videos verbreiten sich in den sozialen Medien, und der Park zieht dadurch ohne eigene Werbung viele Besucher an.

Ein weiteres Projekt ist ein See mit Mauern, einem Tempel mit drei Meter hohen Tempelwächtern und Katzenfiguren. Auch Störe, über zwei Meter lang, sind dort zu sehen. Tausende Sporttaucher filmen die Anlage und stellen die Videos bei YouTube ein, wodurch ebenfalls Werbung für NaturaGart entsteht. Über 1300 Schnuppertaucher wurden bereits in sieben Meter Tiefe zu den Fischen gebracht.

Für NaturaGart ist dieses Projekt auch ein Mittel, die Technik an die Grenze zu treiben und dabei selbst dazuzulernen. Nur wenn man sich selbst an die Grenzen der Technologie bringt, entsteht mehr als vorher.

Planung mit Drohnen und 3D-Modellen

Die entscheidende Frage lautet, wie man 60.000 Menschen dazu bringt, Teiche anzulegen, und zwar gerade die kleineren, die im Park zu sehen sind. Statt handkolorierter Zeichnungen setzt NaturaGart auf neue Wege: Kunden fliegen mit einer Drohne ihr Grundstück ab und fotografieren es nach unten. Daraus entstehen dreidimensionale Modelle, in denen sich die Kunden bewegen können.

Es gibt Bibliotheken mit Objekten wie Brücken und Pavillons, die in die Realität eingeblendet werden. Kunden sehen so einen Garten, den es noch nicht gibt. Planerinnen und Kunden arbeiten am gleichen Monitor, Änderungen werden direkt umgesetzt und anschließend in 3D-Modelle überführt, sodass die Kunden genau wissen, was sie bekommen. Der Eigennutz für den Kunden ist dabei strategisch zentral.

Über 1000 Seiten Anleitungen existieren, doch kaum jemand liest so viel. Deshalb ergänzt NaturaGart sie durch rund 200 Videos, die täglich tausendfach abgerufen werden, an manchen Tagen 15.000 bis 20.000 Mal über den eigenen Streamingdienst und YouTube. Zudem führen Seminare jährlich 600 Teilnehmer durch den Bau.

Bauunterstützung durch Online-Angebote

Viele Kunden wünschen sich dennoch Unterstützung auf der Baustelle. Fachkräfte mit viel Kompetenz sind jedoch zu teuer für die Schaufel, deshalb setzt NaturaGart auf einen Online-Service mit einem virtuellen Bauleiter statt eines Menschen vor Ort. Das ist nur mit starker Digitalisierung möglich.

Das Problem des Fachhandels ist, dass ein Berater einem einzelnen Kunden gegenübersteht; das ist unbezahlbar, und der Kunde kauft am Ende beim Billigsten. Die Lösung besteht darin, das Leistungsspektrum zu differenzieren und an das ERP und die Warenwirtschaft zu koppeln, sodass der Kunde nur sieht, was er gekauft hat.

Für Erdbauarbeiten gibt es viele Einzelanleitungen, durch die Kunden mit dem Smartphone auf der Baustelle navigieren. Das System fragt etwa, ob an etwas gedacht wurde, und zeigt den nächsten Schritt mit Fotos und Videos. Ein Berater betreut so parallel tausend Baustellen statt nur einer. Jorek betont: Skalierung ist der entscheidende Unterschied zur analogen Beratung.

Produktentwicklung und schadstofffreie Teichfolien

Unternehmen müssen Produkte besser machen. Tausende Molche sterben jedes Jahr, weil sie in Pumpen geraten. NaturaGart hat ein Verfahren entwickelt, das solche Verluste bis auf das Niveau von Wasserflöhen reduziert. Unternehmen sollten den Mut haben, schneller zu sein als der Staat.

Jorek vergleicht Abgasmanipulationen mit Bilanzmanipulationen kranker Unternehmen und spricht von Endzeitstimmung. Am Beispiel Cadmium zeigt er, wie spät der Staat reagiert: Cadmium in Teichfolien verursachte jährlich rund 4000 Nierenschäden. NaturaGart verzichtete bereits Anfang der 80er Jahre auf Cadmium in der ersten Teichfolie, verboten wurde es jedoch erst 2010, rund 30 Jahre später.

Auch DOP, als Weichmacher in vielen PVCs enthalten, gilt als erbgutverändernd und krebsauslösend. NaturaGart verbot es 1990 an der Front, der Staat erst 2015, also 25 Jahre später. Das Umweltbundesamt fordert seit Jahren phthalatfreie Folien; Phthalate reichern sich in der Nahrungskette an, ein konkretes Krankheitsbild ist allerdings nicht bekannt.

Rolle der Unternehmen gegenüber der Politik

NaturaGart bietet seit vier Jahren als einziger Anbieter in Deutschland eine phthalatfreie Teichfolie an. Ein Stück schneller als der Staat zu sein, sei eine seriöse und gute Idee. Die Unternehmen seien in der Masse weiter als die Politik, und man könne nicht immer auf die Langsamsten warten.

Die phthalatfreie Folie ist teurer als die mit Phthalat und kannibalisiert die alten Produkte. Das muss man aushalten, aber sie ist ein Alleinstellungsmerkmal und daher strategisch wichtig.

Naturkontakt und Lebensqualität als Angebot

NaturaGart verbindet Lebensqualität mit Schwimmteichen und Landschaften, die Freude machen. Die Art zu verkaufen habe sich über 40 Jahre entwickelt. Mit rund 1000 größeren Schwimmteichen pro Jahr ist NaturaGart die Nummer 1 bei großen Teichen. Die Idee ist, den Kunden täglich Urlaub zu bieten.

Studien zeigen laut Jorek, dass Stresshormone wie Cortisol abends nach der Arbeit höher liegen als zuvor. Zwanzig Minuten im Wald bringen sie jedoch wieder auf null. Deshalb ist es strategisch wichtig, dass Menschen verstehen, dass ein Teich im Einklang mit der Natur gut für die Umwelt und für sie selbst ist.

Wirkung von Naturkontakt auf Stresshormone

Schlusswort

Videos von NaturaGart TV


NaturaGart TV ist die Videoredaktion von NaturaGart. Hier entstehen praxisnahe Filme rund um Gartenteiche, Schwimmteiche, Wasserpflanzen und naturnahe Gartengestaltung.

Die Videos zeigen, wie Teiche geplant, gebaut und gepflegt werden - basierend auf über 45 Jahren Erfahrung und mehr als 70.000 realisierten Teichen.

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