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Konfliktlösungen im Naturschutz

Einleitung: Extrempositionen im Naturschutz und in der Tierhaltung

Im Mai 2023 diskutierten Experten für Aquarien und Terrarien über die Haltung und Vermehrung unterschiedlichster Tierarten, von Fischen bis zu Insekten. In diesen Fachkreisen entsteht das Wissen, dass eine korrekte Tierhaltung Millionen von Tierfreunden ermöglicht. Diese kleine Wasserwelt ist oft der einzige Naturkontakt, der Stadtbewohnern noch bleibt.

Das Thema ist derzeit strittig, Extrempositionen auf beiden Seiten bestimmen die Diskussion. Die einen wollen hochgiftige Schlangen in Wohnhäusern halten, die anderen möchten sogar den letzten Goldfisch verbieten. Dabei wird übersehen, dass etliche Arten in der Natur längst ausgestorben sind und nur noch dank menschlicher Pflege überleben.

NaturaGart-Geschäftsführer Norbert Jorek zeigt in seinem Einleitungsreferat, wie solche Extrempositionen entstehen und wie sich Konflikte auflösen lassen.

Strategische Positionen: Angreifer und Verteidiger

Strategische Positionen lassen sich mit einem Fußballplatz vergleichen. Es gibt Angreifer und Verteidiger, und sie sind strukturell unterschiedlich.

Angreifer orientieren sich vor allem am Widerstand, auf den sie treffen. Sie sind Macher, die Chancen wittern. Zu den klassischen Eingriffsdisziplinen gehören:

  • die Landwirtschaft mit sehr intensiver Flächennutzung
  • Vater Staat, der Infrastruktur baut und dabei in die Natur eingreift
  • die Industrie, deren Produkte nicht auf Nachhaltigkeit optimiert sind, sondern Ressourcen verbrauchen, kurzlebig sind und das Gesamtsystem schädigen

Die Verteidiger sind die Organisationen von Natur- und Umweltschutz. Sie wurden jahrzehntelang hinters Licht geführt: Man hat ihnen etwas versprochen, und es kam anders. Deshalb fühlen sie sich schnell über den Tisch gezogen und bringen mehr Widerstand an die Front, als die Sache eigentlich erfordert.

Das liegt daran, dass die Angreifer ihre Belastbarkeit permanent getestet haben, und die Verteidiger sind inzwischen viel zahlreicher geworden, sodass das Konfliktpotenzial steigt. Angreifer testen Grenzen, Verteidiger wollen Kontrolle. Dieser grundsätzliche mentale Unterschied ist der Grund für viele heute schwer lösbare Probleme.

Fundamentalisten und das Beispiel Wanderfalke

Ein Beispiel für sinnlose Frontlinien sind die Fundamentalisten, die an vielen Stellen die Diskussion bestimmen. Jorek sagt, er könne das gut beurteilen, denn er sei selbst einer von ihnen gewesen.

In den 70er-Jahren gab es in der Republik nur ein paar Dutzend Brutpaare von Wanderfalken. Falkner wurden immer wieder dabei erwischt, wie sie versuchten, Jungvögel aus den Nestern zu holen. Naturschützer und Falkner konnten sich deshalb überhaupt nicht leiden und bekämpften sich gegenseitig.

Ein Studienkollege, Biologe und selbst Falkner, sagte schließlich: Wir müssen miteinander reden. Auf einer Tagung zeigten amerikanische Tierärzte Filme über künstliche Befruchtung und die Anregung der Eiproduktion. Mit diesen Methoden produzierten sie in einem Jahr mehr Wanderfalken, als in Mitteleuropa vorkamen. Daraus folgte die Frage, wie man mit solchen Technologien umgeht, und man begann zu reden.

Vorurteile wurden aus dem Weg geräumt, die Falkner trennten sich von den schwarzen Schafen, und es entstanden produktive Gespräche. Heute gibt es in Deutschland mehr Wanderfalken als wahrscheinlich jemals zuvor.

Wird der Kooperationsweg nicht gegangen und schaukeln sich Konflikte immer weiter hoch, geht es irgendwann nicht mehr um die Sache, sondern nur noch um Machterhalt: Habe ich recht oder der andere? Die entscheidende Frage ist dann, ob man jenseits von Richtlinien eine sinnvolle Lösung sucht oder nur noch darum geht, wer recht hat.

Machterhalt, Grenzen der Rechte und Wolfsdiskussion

Im Extremfall wird eine Position, nur weil man sie darf, bis zum Äußersten ausgereizt. Das ist nicht nur in der Natur- und Umweltszene so, sondern ein grundsätzliches Problem.

Jorek verweist auf Buffets seiner Gastronomie mit bis zu 270 Gästen. Dort gab es immer sogenannte Buffetfresser, die sich, nur weil sie das Recht zum Sattessen erworben hatten, bis zur Bewegungslosigkeit jenseits gesundheitlich sinnvoller Grenzen überessen.

Was hat das mit Naturschutz zu tun? Relativ viel, denn dort passiert genau dasselbe. Bei der Wolfsdiskussion denken die Angreifer: Prima, die Verteidiger schießen gerade Eigentore, die wollen wir nicht stören. Dabei sei der Wolf keine bedrohte Tierart, und es gebe viele, denen es deutlich schlechter gehe.

Der Wolf sei gemein zu Schafen, Ponys und allen möglichen Tieren. Früher oder später werde es auch einen Wolf geben, der spielenden Kindern auf einer Terrasse gefährlich werde. Das sei absehbar und werde ein Problem.

Der private Naturschutz kämpfe um eine Position, weil er so wenig Positionen zu verteidigen habe, und nehme deshalb jede, ohne Rücksicht darauf, ob das sinnvoll sei.

Auch die Behörden seien nicht handlungsfähiger oder qualifizierter. Jorek erzählt von einem leitenden Zoomitarbeiter, der seit Jahrzehnten Haie transportiert und dies deshalb kann. Als eine Behörde feststellte, dass er dafür keinen Schein hat, forderte er, man solle ihm nennen, wer mehr über Haie wisse als er, und ihm dann einen Schein geben. Einen solchen gab es nicht.

Die Behörde verlangte daraufhin, er müsse einen Tag an Schweinetransporten teilnehmen, dann bekomme er einen Schein, mit dem er auch Haie transportieren dürfe. Das habe mit gesundem Menschenverstand nichts zu tun, aber die Behörde habe das Recht, es so zu verlangen.

Behörden und Genehmigungsverfahren am Beispiel NaturaGart

Gibt es nicht einmal eine sachliche Grundlage, sucht man sich eine, im Beispiel etwa Schweinetransporte, und dann stimmt das Weltbild der Behörde. Das passiere an vielen Stellen.

Als Beispiel nennt Jorek NaturaGart. Für ein Atomkraftwerk habe das Genehmigungsverfahren in den 80er- und 90er-Jahren ungefähr sieben Jahre gedauert. NaturaGart war ein Maisacker, verseucht mit den üblichen Giften, aus dem eine Teichlandschaft als ökologisches Vorzeigeprojekt modelliert wurde. Das Genehmigungsverfahren dauerte 13 Jahre. Wer etwas mache, was vorher niemand gemacht habe, treffe auf Stellen mit Ermessensspielraum, die diesen maximal ausnutzten.

Der Staat mische sich an allen vorstellbaren Stellen in Dinge ein, die mit seinem Funktionieren kaum etwas zu tun haben. Die derzeit diskutierte Deindustrialisierung habe nicht nur mit Heizkosten zu tun, sondern auch damit, dass in Unternehmen unqualifiziert in alle möglichen Dinge hineingeredet werde.

Lösungswege: Vermittlung und Kompromisse

Für solche Situationen sei wichtig, dass die Scharfmacher und Fundamentalisten aus den Diskussionen herauskommen, auch wenn das der heutigen Priorisierung von Social Media widerspreche.

Jorek nennt dazu den Vertrag mit einem englischen Verlag als Beispiel: Können sich beide nicht einigen, benennt jeder einen Vertreter, und die beiden einigen sich. Einen gesonderten Gerichtsstand brauchte es nicht, denn wer fair miteinander umgeht, macht es so. Ist man selbst emotional beteiligt, benennt man jemanden, der es nicht ist, und dieser einigt sich mit einem ebenfalls nicht so intensiv Beteiligten. Entscheidend sei, wie Kompromisse gefunden werden.

Fundamentalisten und Scharfmacher können ihre Markierungen außen einrammen. Sie sind als Orientierung gut, schmieden aber in der Regel nicht die Kompromisse. Diese kommen eher aus der Mitte: Dort sind Menschen, die ohne Gesichtsverlust aufeinander zugehen und versuchen, das Maximum aus einer Sache herauszuholen.

Beispiel Flurbereinigung und 50 km² Naturschutzgebiete

Jorek berichtet, wie er mit einem Team 50 Quadratkilometer Naturschutzgebiete erreicht hat. Er ging zum Flurbereiniger und sagte, man müsse miteinander reden. Über die Führungsetage kam er bis ins Ministerium und erhielt dort grünes Licht.

Der damalige Landwirtschaftsminister erließ einen Erlass, wonach Jorek, damals 23 Jahre alt und Student, bei Flurbereinigungsverfahren in Westfalen zu allen Verfahren hinzuzuziehen war. Das war eine starke Position, die er nutzte, denn er konnte nicht nur reden, sondern hatte auch eine Lobby im Rücken. Am Ende entstanden so 50 Quadratkilometer Naturschutzgebiete, die es ohne diese Taskforce und das Gespräch heute nicht geben würde.

Wirtschaft als Akteur im Naturschutz

In Frankfurt hätten Marketingstrategen über folgendes Konzept nachgedacht: Die Vereine machen Naturschutz, der Staat macht Naturschutz, beide kommen aber nicht richtig voran. Was ist, wenn die Wirtschaft Naturschutz macht?

Im Mai 2023 diskutierten Experten für Aquarien und Terrarien über die Haltung und Vermehrung der unterschiedlichsten Tierarten - von Fischen bis zu Insekten. In diesen Fachkreisen entsteht ein Wissen, das Millionen von Tierfreunden eine korrekte Tierhaltung ermöglicht. Diese kleine Wasserwelt ist oft der einzige Naturkontakt, der den Stadtbewohnern noch bleibt.

Dennoch ist das Thema derzeit strittig und Extrempositionen auf beiden Seiten bestimmen die Diskussion. Die einen halten hochgiftige Schlangen in Wohnhäusern, die anderen möchten auch noch den letzten Goldfisch verbieten. Dabei wird wiederum übersehen, dass etliche Arten in der Natur längst ausgestorben sind und nur noch dank menschlicher Pflege überleben. NaturaGart-Geschäftsführer Norbert Jorek zeigte in seinem Einleitungsreferat, wie solche Extrempositionen entstehen und wie man die Konflikte auflösen kann. Angreifer sind in diesem Zusammenhang die klassischen Eingriffs-Disziplinen wie die Landwirtschaft, Behörden und Wirtschaftsunternehmen. Diese Akteure sind "Macher", was letztlich auch deren Erfolg erklärt. Sie testen immer, wie weit sie gehen können.

Verteidiger sind in erster Linie die privaten Naturschutzorganisationen. Die sind eher defensiv eingestellt und erwarten mehr Kontrolle. Macher und Kontrolleure beschreiben die Extrempositionen, die oft nicht miteinander vereinbart werden können.

Norbert Jorek beschreibt am Beispiel mehrerer Naturschutzprojekte, wie Kompromisse gefunden werden können. Das empfiehlt er auch für die aktuellen Meinungsverschiedenheiten zur Tierhaltung. In dieser Frage lässt sich die Politik durch Extrempositionen treiben.

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