Teichpflanzen richtig auswählen: Die Pflanze muss zum Nährstoffangebot passen
Eine Seerose blüht auf, jeden Morgen aufs Neue. Auch am Ufer ist es bunt, und auch dort gibt es eine besondere Vielfalt. Wer Teichpflanzen auswählt, schaut meist zuerst auf die Optik. Entscheidend ist aber etwas anderes: Welche Pflanze wie viel Dünger braucht und wie viel davon am Pflanzplatz vorhanden ist.
Warum Pflanzen am Seeufer so üppig wachsen
Alles, was auf die Wasseroberfläche fällt, wird zum Ufer getrieben: Blütenstaub, Blätter, eine tote Fliege. Es sackt ab, wird zu Schlamm und Teil eines gigantischen Komposthaufens. Die Pflanzen dort haben sich seit Jahrmillionen an diese Luxusbedingungen gewöhnt und tun sich schwer, wenn sie weniger Dünger bekommen. Schon bei kleinen Pflanzen wie der Sumpfdotterblume ist das sichtbar: Ihr natürlicher Standort sind schlammige Uferbereiche. Wo genug Dünger vorhanden ist, wächst sie gut, ohne Dünger eher nicht. Noch deutlicher zeigt sich das oft an der Wuchshöhe.
Pflanzenkläranlage: Pflanzen verwerten die Nährstoffe
In der Pflanzenkläranlage im NaturaGart-Park kommt das Abwasser der Parkbesucher an. Die Pflanzen bauen die Abwasserfracht ein, denn für sie ist es Dünger. Deshalb wird der Rohrkolben hier zweieinhalb bis drei Meter hoch. Die Pflanzenmasse verdunstet außerdem sehr viel Wasser, sodass am Ende der Anlage kaum noch etwas ankommt. Die Röhrichte sind dabei entscheidend wichtig.
Warum das für den Gartenteich nicht reicht
Oft wird Teichbesitzern empfohlen, diese Technik zu nutzen, damit aus einer Algensuppe kristallklares Wasser wird. So einfach ist es nicht: Große Röhrichte machen aus sehr schmutzigem Wasser zwar einigermaßen sauberes Wasser, das ist für einen normalen Gartenteich aber immer noch zu nährstoffreich. Der Teich würde sofort quietschgrün. Setzt man einen Rohrkolben aus der Kläranlage in einen nährstoffarmen Teich, bleibt er nur noch kniehoch, weil ihm der Dünger fehlt.
Dünger lässt erst einmal die Algen wachsen
Alle wollen klares Wasser, und gleichzeitig sollen die schönsten, größten Pflanzen blühen. Was wachsen und blühen soll, braucht Dünger, und der lässt im Teich allzu oft erst einmal die Algen wachsen. Eine Pflanze mit sehr großem Topf Erde bringt oft eine Düngerbombe in den Teich, weil der Dünger ausgewaschen wird und die Algen füttert. Bei 50 Pflanzen kommen Mengen zusammen, die ausreichen, um den Teich in den nächsten Jahren grün zu machen. Umgekehrt kümmert eine Schwertlilie in einem nährstoffarmen Teich und blüht schlecht oder gar nicht. Ähnlich ist es beim Froschlöffel: In nährstoffreichen Gräben wird er über einen Meter hoch, bei Düngermangel bleibt er deutlich kleiner, und die ältesten Blätter werden schnell braun. Ist ein Teich zu nährstoffarm, vermoosen im Lauf der Zeit die Ufer, und typische Uferpflanzen ziehen sich zurück.
Wer Pflanzen nur nach der Optik auswählt und ohne Plan irgendwo hinpflanzt, wird früher oder später unzufrieden sein: Entweder wachsen die Pflanzen nicht richtig, oder der Teich erstickt im Extremfall unter einem Algenteppich.
Die Lösung: Nährstoffsysteme trennen
Bleibt nur eine Trennung der Nährstoffsysteme. Üblich ist es, die Folie aus dem Teich herauszuführen, über den Uferwall zu ziehen und auf der Landseite einzugraben. Man kann es auch anders machen: Die Folie wird über den Uferwall geführt, wieder nach unten und dann nochmals nach oben gezogen. So entsteht ein Graben außerhalb des eigentlichen Teiches. In diesen Ufergraben kann man Mutterboden einbringen und düngen. Über die Ufermatte wird er genauso mit Wasser versorgt, und dort wachsen die Uferpflanzen mit hohem Nährstoffanspruch. Der Ufergraben kann schmal sein oder als größere Ausbuchtung mit etwas tieferem Wasser angelegt werden.
Ein guter Teich besteht damit aus drei Bereichen: dem Teich selbst mit möglichst klarem Wasser, einem Ufergraben, in dem es intensiver blüht und die Pflanzen höher werden, und einem Filtergraben zur Wasseraufbereitung.
Der Filtergraben: Unterwasserpflanzen holen die Nährstoffe aus dem Wasser
Klares Wasser gibt es nur auf sehr niedrigem Nährstoffniveau. Bei mehr Dünger im Wasser wachsen sofort die Algen und behindern die Sicht. Deshalb wird das Wasser im Filtergraben gereinigt, der ganz anders aufgebaut und bepflanzt ist als die Kläranlage. Entscheidend sind die Unterwasserpflanzen: Sie nehmen die gelösten Nährstoffe auf, sodass die Algen weniger zum Wachsen haben. Die Sumpfpflanzen, die aus dem Wasser ragen, bauen vor allem das mitgeführte Sediment ab. Wie gut das funktioniert, zeigt das Hechtkraut: Schon zwei Meter nach dem Einlauf in den Filtergraben bleibt es deutlich kleiner. Ein Filtergraben ist also eine Wasseraufbereitungsanlage für den Teich. Hier sammeln sich die Nährstoffe an, die man im Teich nicht haben will, und die Pflanzen im Filtergraben wachsen entsprechend besser. Eine Auswahl bietet die Kategorie Pflanzen zur Wasserreinigung.
Blutweiderich, Schilf und Froschbiss als Beispiele
Der Blutweiderich verträgt im Gegensatz zu vielen anderen Teichpflanzen ganz unterschiedliche Nährstoffsituationen, wird dann aber auch sehr unterschiedlich hoch. Im nährstoffreichen Filtergraben erreicht er etwa zwei Meter, im Ufer des nährstoffarmen Teiches bleibt er kniehoch und blüht kaum. Beim Schilf ist es ähnlich: Auf der Teichseite wird es etwa zwei Meter hoch und soll dort einen Röhrichtbestand bilden. Wo hohes Schilf gewünscht ist, wird es vier Meter hoch und hat mindestens die doppelte Biomasse. Auch der Froschbiss zeigt, wie der Nährstoffabbau funktioniert: Im Einlaufbereich eines Filtergrabens wächst er kräftig grün und dicht, am Ende des Grabens, wo die Düngermenge mit jedem Meter Fließstrecke abgenommen hat, wächst er langsamer, und der Bestand hat viel mehr Lücken.
Fazit: Die Weichen werden bei der Planung gestellt
Eine Bepflanzung ist nur dann langfristig stabil und pflegeleicht, wenn die Pflanzen an der richtigen Stelle stehen und die Nährstoffmenge bekommen, die sie benötigen. Deshalb werden die Weichen schon bei der Planung des Teiches gestellt. Das Ziel sind klares Wasser und eine passende, schöne Bepflanzung, und das mit möglichst wenig Pflegeaufwand. Wie die Technik dazu zusammenspielt, zeigt die Anleitung für klares Wasser.