Wasserwerte im Gartenteich
Kapitel (8)
- 0:00 Einleitung: Bewertung von Teichproblemen
- 1:02 Verlandung stehender Gewässer
- 3:25 Vier Themenbereiche zur Zustandsbeurteilung
- 4:17 Wasserchemie: Anlass und Überblick
- 5:13 Wasserwerte und ihre Bedeutung
- 7:14 Nährstoffgehalt und Wasserklarheit
- 9:00 Häufigkeit und Art der Wasserprüfung
- 11:07 Zu testendes Wasser: Teichwasser und Auffüllwasser
So bewerten Sie Ihren Teich, Teil 1
Einleitung: Bewertung von Teichproblemen
Zum Schwerpunktthema der Teich- und Gartenmesse bei NaturaGart gehörte 2017 die Bewertung von Teichproblemen. Dr. Holger Kraus, zoologischer Leiter des NaturaGart-Parks, erklärte in seinem Referat die Bedeutung der Wasserwerte für die Teichbiologie.
Wichtig ist zunächst, dass die Vorstellung, die wir von einem Teich haben, oft stark von der Vorstellung abweicht, die der Teich von sich selbst hat. Ob Seerosenteich, Schwimmteich oder Koiteich: Jeder hat ein eigenes Bild vom Traumteich. Wer sich bewusst macht, wie ein Gewässer von Natur aus funktioniert, erkennt später leichter, was schiefläuft.
Verlandung stehender Gewässer
Ein stehendes Gewässer liegt in der Landschaft immer an einem tiefen Punkt, auch wenn es nur eine kleine Senke am Berg ist. Deshalb landet früher oder später alles Material aus der Umgebung darin: Sand, der den See immer kleiner werden lässt, Laub, das den See mit Schlamm und Nährstoffen anreichert, und Pollen, die sehr phosphorhaltig sind und den Teich stark verunreinigen.
Der Stoffeintrag ist dadurch naturgemäß größer als der Stoffaustrag, denn aus einem Teich gibt es praktisch keinen Ausweg. Kleine Auswege gibt es nur über Insektenlarven, die schlüpfen und wegfliegen, über Fische, die gefressen werden, oder über einen durchfließenden Bach. Die Folge: Stehende Gewässer neigen zum Verlanden. Von unten sammelt sich eine immer dickere Schlammschicht, von den Seiten wächst Vegetation zu. In Mitteleuropa wäre das Endstadium ein Buchenwald. Das dauert allerdings ein paar tausend Jahre und wird im eigenen Garten nicht passieren.
Vier Themenbereiche zur Zustandsbeurteilung
Anhand von vier Themengebieten lässt sich relativ leicht erkennen, ob es dem Teich noch gut geht. Das erste ist die Wasserchemie. Sie macht etwas Mühe, hilft aber sehr, um zu wissen, was im Teich los ist. Daneben spielen Algen und Sedimente wie Schlamm eine Rolle, die sich im Teich ansammeln. In den Filtergräben zeigte Kraus anhand von Beispielfotos, wie schnell ein Teich zuwachsen kann.
Wasserchemie: Anlass und Überblick
Oft heißt es am Telefon, die Wasserwerte seien eigentlich okay. Kraus vergleicht das mit einem Arztbesuch: Wer krank ist, geht nicht hin, wenn alles in Ordnung ist. Regelmäßig gemessen werden sieben Parameter, die sich in drei Gruppen einteilen lassen.
Wasserwerte und ihre Bedeutung
pH-Wert: pH 7 ist neutral, darunter ist das Wasser sauer, darüber basisch. Der Wert beeinflusst die Wasserchemie stark, weil das Wasser in die eine Richtung völlig anders reagiert als in die andere.
Karbonathärte: Der Name ist nur ein Scherz, denn sie hat mit Härte nichts zu tun. Sie zeigt, wie stabil der pH-Wert ist, also wie lange er verändert werden kann, etwa durch sauren Regen oder Huminsäuren aus Laub, ohne dass er sich massiv verändert.
Gesamthärte: Sie beschreibt, ob das Wasser weich oder hart und kalkhaltig ist. Sie verändert sich im Teich kaum, sodass meist eine Messung am Anfang genügt. Bei einem Problemteich mit besonders niedriger Härte kann regelmäßiges Messen nötig sein.
Nährstoffe: Ammonium, Nitrit, Nitrat und Phosphat zeigen, wie viel Dünger im Teich ist, ob gewollt oder nicht. Der Nährstoffgehalt ist laut Kraus das entscheidende Thema des gesamten Vortrags.
Nährstoffgehalt und Wasserklarheit
Eine Tabelle mit natürlichen Gewässern zeigt, welche Wasserqualität bei welchem Nährstoffniveau erreichbar ist. In einem nährstoffarmen Gewässer dürfen nur 4,4 Milligramm Nitrat enthalten sein, und nur dann sind mehr als 5 Meter Sichtweite möglich. Enthält das Wasser mehr als 9 Milligramm Nitrat, ist klares Wasser in einem natürlichen Gewässer kaum zu erreichen. Meist liegt die Sichtweite dann unter einem Meter.
Wer mit der Sichtweite zufrieden ist, kann den Nitratwert vernachlässigen. Wer klareres Wasser möchte, muss auf Nitrat achten. Eine Möglichkeit, dem auszuweichen, ist es, das Licht zu verhindern, wie es Großaquarien und viele Koiteichbesitzer tun, etwa mit einer schwarzen Plane, einem Dach oder einer Schattierung. Wie beim Salatbeet gilt: Ohne Sonnenlicht wächst aus dem Dünger nichts.
Kraus stellt klar: Die Probleme im Teich liegen an den Nährstoffen. Wer das Nährstoffniveau einmal gemessen hat und weiß, in welchem Bereich er sich bewegt, kann beurteilen, woran die eigenen Probleme liegen.
Häufigkeit und Art der Wasserprüfung
Wer einen Teich baut oder Probleme feststellt, sollte einmal eine professionelle Analyse machen lassen. Das ist inzwischen auch online über ein Partnerlabor möglich. Wie oft gemessen wird, entscheidet jeder selbst. Ohne Probleme reicht seltener Testen, bei Problemen öfter. Ein Tröpfchentest kostet nur ein paar Cent. Im Sommer lohnt sich etwa monatliches Testen. Im Winter reicht ein Test mitten in der kalten Jahreszeit, weil dann praktisch kein Leben läuft und die Nährstoffe frei im Wasser sind.
Die Werte sollten aufgeschrieben und an einem Ort abgelegt werden, an dem man sie wiederfindet. Kraus berichtet, dass am Telefon oft gesagt wird, die Werte seien okay, man habe sie aber vor zwei Jahren gemessen und den Zettel nicht mehr gefunden. Dokumentierte Werte helfen bei Beratung und Problemlösung und zeigen, dass weniger Nährstoffe weniger Probleme bedeuten.
Zu testendes Wasser: Teichwasser und Auffüllwasser
Getestet werden sollte nicht nur das Teichwasser, sondern auch das Wasser, mit dem der Teich aufgefüllt wird, also Trinkwasser oder Brunnenwasser. Die WHO lässt im Trinkwasser 25 Milligramm Nitrat zu, die deutsche Trinkwasserverordnung 50 Milligramm. Kraus selbst lässt in seinem Wasser nur 2 Milligramm zu. Ein Kubikmeter Auffüllwasser mit 50 Milligramm Nitrat kann den Nitratgehalt eines 25-Kubikmeter-Teichs verdoppeln. Bei Phosphat ist das noch viel schlimmer.
Wer nur das Teichwasser beobachtet, merkt womöglich nicht, dass das Auffüllen den Teich belastet. Ein Hinweis kann sein, dass das Wasser eine Woche nach dem Auffüllen grün wird. Trinkwasseranalysen lassen sich im Internet herunterladen oder beim Wasserversorger anfordern. Wer einen eigenen Brunnen hat, sollte ohnehin testen.
Videos von NaturaGart TV
NaturaGart TV ist die Videoredaktion von NaturaGart. Hier entstehen praxisnahe Filme rund um Gartenteiche, Schwimmteiche, Wasserpflanzen und naturnahe Gartengestaltung.
Die Videos zeigen, wie Teiche geplant, gebaut und gepflegt werden - basierend auf über 45 Jahren Erfahrung und mehr als 70.000 realisierten Teichen.